Vorsicht, jetzt geht es in die Tiefsee hinab! Dies können Sie schon an dem spärlichen Licht erkennen. In mehreren hundert Metern Wassertiefe herrschen ewige Dunkelheit und nahezu gleichbleibend niedrige Temperaturen. Der Wechsel von Tages- und Jahreszeiten ist hier kaum noch zu spüren. Dennoch leben viele Arten an Seesternen und Seegurken, aber auch solche wie Islandmuschel und Tiefseegarnele in diesen für Menschen unwirtlichen Tiefen.
Ein besonderes Highlight dieser Region sind aber die Kaltwasserkorallen. Wussten Sie, dass das längste Korallenriff der Erde nicht das Great Barrier Reef ist, sondern in den nördlichen Meeren liegt? Zwischen Norwegen und Marokko ziehen sich Kaltwasserkorallen wie leuchtend bunte Farbtupfer an den Kontinentalhängen des Atlantiks entlang. Exotische Schönheiten gibt es also auch in unseren Breiten! Und die gilt es zu schützen. Denn Kaltwasserkorallen wachsen nur sehr langsam und sind heute mehr denn je bedroht. Globale Erwärmung, Verschmutzung und Versauerung der Meere sowie die Fischerei mit schweren Grundschleppnetzen gefährden die über Jahrtausende gewachsenen Riffe.
Mit eigenen Augen konnten sich Mitarbeiter des OZEANEUMs im Jahr 2013 von den fantastischen Korallenriffen überzeugen. Sie tauchten im norwegischen Trondheimfjord 100 Meter tief in eiskaltes Wasser. Ziel dieser Tauchexpedition war es, verschiedene Stein- und Hornkorallen sowie Medusenhäupter für das OZEANEUM zu bergen. An Bord des deutschen Forschungsschiffes „Poseidon“ gelangte die wertvolle Fracht dann nach Deutschland.
Bei der Haltung von Kaltwasserkorallen in unseren Aquarien muss genau Acht gegeben werden auf die richtige Ernährung und Beleuchtung. Anders als tropische Korallen, die in einer Symbiose mit Algen leben, filtrieren sich Kaltwasserkorallen ihre Nahrung aus der Strömung. Das Wasser muss also ständig in Bewegung gehalten werden, damit die Korallen das eigens im OZEANEUM gezüchtete Plankton aufnehmen können.
Die spärliche Beleuchtung wurde übrigens dem blauen und ultravioletten Licht nachempfunden, das am tiefsten ins Meer eindringt. Die empfindlichen Tiere können nur unter diesen Lichtbedingungen überleben.